ETH denkt Verkehr neu: Chance auch für Basel

Mit neuen Ansätzen könnten Klima- und Verkehrsziele einfacher erreicht werden. Auf Einladung von Pro Velo beider Basel haben gestern zwei Experten der ETH einem interessierten Fachpublikum das Forschungsprojekt «E-Bike-City» vorgestellt. 

Was wäre, wenn 50 Prozent des städtischen Strassenraums künftig für Zufussgehende, Velofahrende, und Mikromobilität reserviert wäre? Wie würden sich die Emissionen reduzieren? Wie stünde es mit der gesellschaftlichen Akzeptanz? Und was wären die Auswirkungen auf das übrige Verkehrssystem – insbesondere den motorisierten Individualverkehr (MIV) und den öffentlichen Verkehr? 

Ein interdisziplinäres Team aus über zwei Dutzend Forschenden hat sich diesen Fragen gewidmet und in zehn Teilprojekten verschiedene Aspekte urbaner Mobilität untersucht. Besonders wegweisend: ein neu entwickeltes Modellierungs-Tool, das den Strassenraum neu aufteilt: Die Erschliessung für den MIV bleibt erhalten, allerdings meist als Einbahnnetz. Die gewonnene Fläche kommt dem Velo und dem öffentlichen Verkehr zugute.  

Die Forschenden untersuchten auch, wie sich politische Massnahmen auf das Verhalten auswirken würden – wie etwa die Verdoppelung der Parkierungskosten und die Internalisierung der externen Verkehrskosten. Hierfür befragten sie 1200 Personen aus dem Kanton Zürich und den Nachbarskantonen. Fazit: Müssten die Autofahrenden die wahren Kosten berappen, würden einige aufs (E-)Velo umsteigen.  

Bezogen auf das gesamte Verkehrssystem zeigte sich: Sichere Velowege würden einem Grossteil der Bevölkerung nützen, während der Autoverkehr nur punktuell eingeschränkt wäre. Die Erreichbarkeit bliebe erhalten. Das Konzept «E-Bike-City» weist zudem ein hohes Kosten-Nutzen-Verhältnis auf. Basel käme damit dem Klimaziel näher, den Autoverkehr bis 2037 um ein Drittel zu reduzieren. Im Grossen Rat wurde dazu bereits ein Vorstoss eingereicht. 

Mehr: 

ebikecity.baug.ethz.ch, 

https://grosserrat.bs.ch/ratsbetrieb/geschaefte/200114454